Nichts neues von der Gentrifizierungsfront

Es scheint so als ob das Sommerloch in diesem Jahr schon im Mai beginnt. Zumindest sind keine wirklichen Neuigkeiten in Sachen Gentrifizierung zu berichten. Nicht einmal im Stadtanzeiger (der Stadteil-Beilage von HAZ und NP) wird das G-Wort bemüht. Trotzdem gibt es das eine oder andere aus der Stadtteilpolitik zu berichten.

Damit ist Ihmestadt gerade nochmal darum herum gekommen etwas zum Berliner „Schwabenhass“ zu schreiben und mittels intellektueller Verrenkungen auf die Situation in Hannover zu übertragen. Nicht, dass es nicht gelungen wäre, aber wir müssen hier ja nicht jeden Mist nachmachen, den die Hauptstadt sich ausdenkt.

Daher herrscht schon fast Dankbarkeit, dass sich mal wieder zwei Protagnonisten der „Ist-Alles-nicht-Soooo-schlimm“-Fraktion wieder zu interessanten Äußerungen haben hinreißen lassen. Dazu aber später mehr. Den Anfang machen die Planung der Stadt angesichts des mittlerweile nicht mehr zu leugnenden Wohnungsmangel.

Einige Projekte sind bereits beschlossen, andere noch in Planung und somit in der Diskussion. Alle hier aufzuführen wäre nicht nur mit einigem Aufwand verbunden, sondern in der Masse auch eher langweilig. Daher sollen nur einige wenige schlaglichtartig beleuchtet werden.

Angefangen soll diesmal nicht mit großen Aufwertungsprojekten, sondern mit Fragen der Stadtökologie und des Stadtklimas (Wärme- und Luftaustausch, Luftfeuchtigkeit, Feinstaub usw.) sind Freiflächen, insbesondere unversiegelte Flächen, wie Grünflächen, von besonderer Bedeutung. Gerade im Sommer ermöglichen Freiflächen die Wärmeabgabe während der Abend- und Nachtstunden. Angesichts der steigenden Temperaturen in Zukunft besonders wichtig. Daneben bieten freie Flächen Möglichkeiten vielfältiger Nutzung. Am Auffälligsten ist dies natürlich in Parks zu sehen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Bebauung des Klagesmarkt gerade auch unter diesen Aspekten diskutiert wurde. Demgegenüber ist die Verdichtung des Steintors eher unter dem Aspekt der Ausdehnung des Rotlicht-Viertels diskutiert.

Bei den Neubauten in und um Linden sind diese Aspekte bisher in der Diskussion wenig genannt worden. Hier steht noch die Gentrifizierung im Vordergrund. Bei den Umbauten der Hautklinik und der ehemaligen PI West sowie dem Neubau an der Grotestrasse wurde daher kritisiert, dass hier ausschließlich Eigentum gebaut werden wird. Wobei das natürlich nichts mit Aufwertung und Gentrifizierung zu tun hat, wie uns Klaus Öllerer nicht müde wird zu erklären. Aber der sagt ja auch, dass in seinem Hinterhof höchstwahrscheinlich unsichtbare rosa Einhörner leben „Kohle und Gas aus der Tiefe höchstwahrscheinlich einen kleineren ökologischen Fußabdruck als die Windenergie haben“.

Ein Umstand der sich vielleicht ändern könnte. Nach dem Willen des Bezirksrats Mitte soll nämlich ein Neubaugebiet am Ihmeufer, gegenüber dem Schwarzen Bären, hinter der Berufsschule ausgewiesen werden. Da dies fast schon auf Lindener Gebiet ist, musste auch der Bezirksrat Linden-Limmer angehört werden. Dieser hat entsprechend seiner Mehrheit einen Änderungsantrag beschlossen, dass hier mindestens ein Drittel der neugeschaffenen Wohnungen Sozialwohnung sein müssen und maximal ein Drittel Eigentum. Es überrascht dass dieser Standort gewählt wurde – nicht wie angedeutet aus ökologisch und klimatischen Aspekten, sondern weil hierfür ein Parkplatz bebaut werden soll. ERSATZLOS! Und das im Autoland Niedersachsen! Wenn das mal nicht den ADAC auf den Plan rufen wird.

Bisher hat jedenfalls nur Eike Geffer (SPD) gegen den Plan geredet. Er sieht nämlich keine Notwendigkeit in der Schaffung weiteren Wohnraums, da er den Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung nicht traut und auch sonst sich nicht mit Fakten belasten will. Nun gut das war jetzt hart, da sich die Stadt schon mal bei der Stadtentwicklung derbe verrechnet hat. Damals in den 1960ern, als davon ausgegangen wurde, dass überall bald Betonburgen, wie das Ihmezentrum nötig sein werden, um die wachsende Bevölkerung unter zu bringen. Aber den schon jetzt fehlenden Bestand an Wohnungen, vor allem an günstigen, erklärt Geffers mit Sicherheit auch mit übler Propaganda von Linksextremisten und Ökogutmenschen.

Interessant ist, dass bisher noch keine Fraktion aus die Idee gekommen ist das Relikt des Deutschen Militarismus, den ehemaligen Exerzierplatz an der Waterloo-säule zu bebauen. Genutzt wird das Gelände ja eher selten. Höchstens mal für Fussballübertragungen oder wenn ein Zirkus in der Stadt ist, wofür es ja auch andere Orte geben würde. Aber da gibt es mit Sicherheit einen guten Grund für, oder?